Die Kiesgrube westlich von Loosen [2]

Am westlichen Ortsausgang von Loosen nahe dem Forsthof südlich des Weges zum Weißen Moor befindet sich eine kleine zugewachsene Grube, in der einst Sand und Kies für den lokalen Bedarf abgebaut wurden. Sand und Kies sind weiß bis hellgelb, häufig auch durch Rost braun verfärbt. Das Besondere an ihnen ist, dass der Kiessand im Gegensatz zu anderen Vorkommen im Land fast ausschließlich aus Quarz (über 95 %) besteht. Gerölle, die leicht verwitterbare Bestandteile wie Feldspat, Hornblende, Kalk und andere enthalten, fehlen nahezu ganz. Der Kiessand ist also stark verwittert und damit wesentlich älter als eiszeitliche Ablagerungen. Schräg in der Aufschlußwand, die durch einen Zaun geschützt ist, befindet sich eine etwa 0,5 m mächtige Schluffbank, die abwechselnd aus hellen feinsandigen und dunkelbraungrauen tonigen Lagen besteht. (Schluff ist ein Sediment, das feinkörnlger als Sand und grobkörniger als Ton ist.). Die hellen Lagen wurden offenbar im Sommer und die dunklen im Winter vor rund 2 Mill. Jahren abgelagert. Über der Schluffbank liegt weißer Sand, darunter rostfarbener Kies. Letzterer ist zur Zeit nicht sichtbar. Er war nördlich der Umzäunung aufgeschlossen,wovon ein Lackabzug zeugt, der in der Geologischen Landessammlung des LUNG in Sternberg hängt. Beide Sedimente sind schräggeschichtet, was auf Ablagerung in einem Fluss deutet. Die beschriebene Abfolge der Schichten wird nach oben durch 0,5 m „schmutzigen" umgeschichteten Sand mit Steinen (= Geschiebedecksand) abgeschlossen. Die Steine in ihm - Granit, Porphyr und Gneise - sind vielfarbig, was auf elszeitliches Alter hinweist. Tatsächlich ist der Decksand der Rest von ausgespülten Eiszeitablagerungen.

Dort, wo er direkt auf dem Schluff liegt, ist letzterer regelrecht „zerwühlt" was mit dem eiszeitlichen Klima zusammenhängt („Brodelboden"). Die Schräglage der Schluffbank spricht dafür, dass das Eis, das auch dieses Gebiet bedeckte, den Untergrund zusammengeschoben bzw. gestaucht hat.

Der heutige Zustand der Gruben-Westwand: dunkelgrau der Schluff, darüber der hellgelbliche Quarzsand und oben der Geschiebedecksand mit Ortstein-Profil.

Grube im Jahr 1959: unter dem Geschiebedecksand ist der gröbere Quarz-Kiessand aufgeschlossen, der unter dem dunkelgrauen Schluff liegt.

Die Quarzsandgrube im Jahr 1959, von Süden gesehen.

Die Loosener Flussschotter liegen (diskordant) über schräggestellten älteren Schichten.

Interessant an diesem Kiessand sind die Nicht-Quarzgerölle in ihm. Die durch scheinenden oder milchig-weißen Quarze kommen überall in der Natur vor; sie lassen also kaum eine Aussage über die Herkunft der Flusskiese zu. Ähnlich ist es mit den völlig verwitterten, farblosen Graniten und den mürben Sandsteinen. Anders dagegen verhält es sich mit den Fossilien, die manchmal in den gröberen Kieslagen zu finden snd. Es handelt sich um Tiere, die während des Ordoviziums und Silurs (vor 500 bis 400 Mill. Jahren) im Raurm um die heutige Ostseeinsel Gotland gelebt hatten.

Ursprünglich waren sie on Kalk versteinert, wurden aber im Laufe der Zeit in Kieselsäure umgewandelt. Dieses Achat-ähnliche Mineral ist ebenso wie Quarz äußerst widerstandsfähig gegenüber der Verwitterung. Die Ausbeute jahrzehntelangen Sammelns besteht aus Schwämmen (Aulocopium, Astylospongia, Carpospongia, Caryospongia), Moostier-Kolonien (Hindia, Diplotrypa), Bodenkorallen (Favosites) Algenkolonien Coelosphaeridium, Stromapora) Dreilappkrebse (Chasrnops), muschelähnliche Armfüßer (Brachiopoda) und anderen Fossilien aus dem Erdaltertum des Baltikums.

Unter den Nicht-Quarzgeröllen befinden sich auch Kreide-Feuersteine, de im ganzen Land allgegenwärtig sind. Doch die Loosener haben ein unverwechselbares Aussehen. Häufig wurden sie abgerollt, dann bekamen sie durch Verwitterung eine braune Rinde und schließlich wurden sie durch Lösungsprozesse narbig zerfressen und mit einer dünnen schwarzen Schicht überzogen. Sie stammen wahrscheinlich aus dem Raum östlich von Rügen, wo die Schreibkreide der Kreidezeit [80] an der voreiszeitllchen Oberfläche lag.Feuersteine sind also ähnlih den Fossilien aus dem Nordosten zu uns gekommen.

Eine andere Gruppe von Nicht-Quarzgeröll muss aus dem Süden heran transportiert worden sein, denn im Ostseeraum sind sie nicht bekannt. Es handelt sich vor allem um harte schwarze Kieselschiefer mit vielen weißen Ouarzadern. Sie sind auch um 400 bis 500 Mill. Jahre alt und finden sich in unseren Mittelgebirgen und in Tschechien. Aus den sächsischen Braunkohlerevieren stammen die Tertiärquarzite (= durch Kieselsäure verkittete Quarzkörner) und aus dem östlichen Erzgebirge besondere Achatgesteine.

Typisch für nordische Herkunft der Flußablagerungen sind zernarbte, schwarz umkrustet sowie gerundete, lackierte Feuersteine.

Südliche Herkunft bezeugen vor allem Kieselschiefer mit Quarzadern. Weiß: Tertiärquarzit, links daneben: Kastenquarz aus dem östlichen Erzgebirge.

Die jetzt in Quarz umgewandelten Fossilien lebten vor 400 bis 500 Mill. Jahren im Raum der heutigen nördlichen Ostsee.

Die Untersuchungsbefunde lassen eine Rekonstruktion der Verhältnisse vor 2 Mill. Jahren zu. Auf dem damaligen Festland hat ein Fluss die quarzreichen Sande und Kiese abgelagert Wenn man deren Schrägschichtung einmisst, zeigt sich, dass der Fluss aus nordöstlicher Richtung gekommen sein muss. Einzelne Gerölle beweisen diese Herkunft. Seinen Ursprung hatte er wahrscheinlich in der Gegend von Gotland; die Ostsee gab es damals noch nicht. In diesen nördlichen Strom ist eine Ur-Elbe als Nebenfluss eingemündet und hat die südlichen Gerölle dem Loosener Kiesen „beigemischt". Funde in den Niederlanden lassen vermuten, dass dieser Loosener Strom seinerzeit bis dorthin geflossen ist. Die Schluffbank in den Loosener Flussschottern belegt, dass hier vorübergehend Bedingungen wie in einem Altwasser mit Schlicksedimentation geherrscht haben müssen.

Die Nutzung der Kiessande erfolgte etwa zwischen 1925 und dem 2. Weltkrieg. In der sogenannten „Ziegelei KIENKE" wurde aus dem Kiessand Beton hergestellt und daraus Dachpfannen, Brunnenringe und Zaunpfähle gefertigt. Ob aus dem Schluff Ziegel gebrannt wurden, ist nicht bekannt. Bei der geologischen Kartierung 1959 wurden die Besonderheiten entdeckt. Die Untersuchungen der Gerölle und des Untergrundes mithilfe von Bohrungen ließen schon Ende der 60er Jahre eine Rekonstruktion der damaligen Ereignisse zu. Gleichzeitig war bekannt, dass es solche Russkiese nur in der Griesen Gegend gab. Nach ihrem wichtigsten Vorkommen wurden sie folglich als „Loosener Flussschotter" bzw. als „Loosen-Schichten" in die internationale Literatur eingeführt. Die Loosener Kiessandgrube ist jederzeit ohne Anmeldung zugänglich.

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